Unglück in den Niederlanden mit “elektrischem Bollerwagen”

In vielen Medien (u.a. in der Tagesschau vom 20. September 2018) wurde von einem Unglück in der niederländischen Stadt Oss berichtet,

bei dem vier Kinder getötet, ein weiteres Kind und eine Betreuerin schwer verletzt wurden.

Das Unglück ist schrecklich für alle Angehörigen und Betroffenen.

Da Kundinnen und Kunden mit falschen oder ungenauen Informationen konfrontiert wurden, hier eine Klarstellung:

Es handelte sich bei dem Unglücksgefährt nicht um ein Lastenfahrrad, sondern um ein Gefährt, das in Deutschland kaum bekannt ist: einen elektrischen Bollerwagen der Firma Stint. Diese waren bislang in den Niederlanden sehr weit verbreitet.

Die steuernde Person steht am Heck des Fahrzeugs, ähnlich wie bei einem Segway. Der Antrieb funktioniert ausschließlich elektrisch. Pedale sind nicht vorhanden.

Seit dem 2.10.2018 ist dieses Gefährt in den Niederlanden verboten (SAZ-Bericht)

In den deutschen Medien wurde zu Beginn fast durchweg berichtet, es handele sich beim Unglücksgefährt um ein E-Lastenfahrrad.

Die Überschrift der Tagesschau lautete:

“Zug kollidiert mit Lastenrad: Vier Kinder bei Unfall in den Niederlanden getötet”.

Diese Fehlinformation hat mit den Mechanismen der Medien, mangelhafter Übersetzung, oder Unwissen und alltagskulturellen Unterschieden zu tun.

Auch wenn das Fahrzeug im jeweiligen Text differenzierter beschrieben wurde, blieb bei allen, die mich auf das Unglück ansprachen, das “Lastenrad” aus der Überschrift hängen.

Die niederländische Ministerin für Infrastruktur und Wasserwirtschaft Cora van Nieuwenhuizen-Wijbenga hat die Fahrzeuge der Firma Stint

mit Wirkung vom 2. Oktober 2018 verboten.

Nach einer Meldung der Zeitung “Trouw”  wurde an den Fahrzeugen eine ganze Reihe von Mängeln entdeckt:

 

- Das Kabel des Gashebels kann reißen und zu einer Beschleunigung bis zur Maximalgeschwindigkeit führen.

- Die vorhandene Handbremse ist nicht kräftig genug, um das Gefährt dann zum Stillstand zu bringen.

- Ausschließlich eine Unterbrechung des elektrischen Kontakts könnte das Gefährt im genannten Falle stoppen.

- Die Untersuchung kommt zum Schluß, dass letzteres nicht als “natürliche Handlung in einer Notsituation” betrachtet werden kann.

- Zudem zeigte die Untersuchung, dass an dem Fahrzeug Veränderungen vorgenommen wurden, die nicht dem zuständigen Ministerium gemeldet wurden.

- Der Hersteller des Fahrzeugs weigerte sich zudem, die im Verkehr befindlichen Fahrzeuge zurückzurufen und wollte auch keinen Aufruf verbeiten, die Fahrzeuge vorläufig nicht zu benutzen.

T.K., 02.10.2018